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Mit gesundem Menschenverstand, Verwaltungswissen und Führungsstärke das Amt meistern
Interview mit Dirk Bachmann, parteiloser Kandidat der LINKEN für die Wahl des Sozialdezernenten
Dirk Bachmann könnte nach zehn Jahren wieder in seine Heimatstadt zurückkehren. 1969 in Karl-Marx-Stadt geboren und aufgewachsen, erlernte er den Beruf des Landmaschinen-Traktorenschlossers, bevor er sich nach der Wende der Sozialarbeit zuwandte. Er baute in Chemnitz das AJZ und den Verein Selbsthilfe 91 mit auf und war viele Jahre Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e.V. (AGJF). Bachmann studierte Betriebswirtschaftslehre und Sozialpädagogik, wechselte beruflich nach Dresden, war dort Chef der Qualifizierungs- und Arbeitsförderungsgesellschaft Dresden mbH (QAD) und Geschäftsführer der Arge und ist derzeit in Dresden Direktor des Institutes Inform des Outlaw e.V.. Dirk Bachmann ist verheiratet und hat einen Sohn. In seiner Freizeit ist er gern sportlich unterwegs, spielt Klarinette und angelt. Margitta Zellmer fragte nach, welche Intentionen er für den Posten des Sozialdezernenten hat.
M. Z.: Herr Bachmann, was hat Sie bewogen, sich für den Posten des Chemnitzer Sozial-, Kultur- und Sportdezernenten zu bewerben?
Dirk Bachmann: Ich habe mich nicht beworben, die LINKE hat mich gefragt. Und ich habe mir schon sehr gründlich überlegt, ob ich als Parteiloser für die LINKE antreten kann. Abgesehen von den vorhandenen Übereinstimmungen hinsichtlich der Bedeutung von sozialen Belangen für eine lebenswerte Kommune, hat letztendlich den Ausschlag gegeben, dass ich in Chemnitz meine familiären und beruflichen Wurzeln habe und meiner Heimatstadt, der ich mich nach wie vor sehr verbunden fühle, mit dieser Tätigkeit gern etwas zurückgeben möchte. Natürlich habe ich in den vergangenen zehn Jahren den unmittelbaren Anschluss etwas verloren, aber die letzten Wochen intensiv genutzt und mich in Chemnitz umgetan. Ich habe Wohlfahrtsverbände wie z.B. die AWO aufgesucht, eine Theaterpremiere besucht, war im Orchester – das alles, um mich zu informieren und die Probleme kennenzulernen.
Außerdem bin ich seit 20 Jahren in der Sozialarbeit tätig, kenne beide Seiten der Medaille, sowohl die der Verwaltung als auch die der Akteure und natürlich auch die Strukturen und rechtlichen Grundlagen. Im Herzen bin ich immer Sozialarbeiter geblieben, was ich bei allen Entscheidungen nie aus den Augen verlieren würde.
M. Z.: Sie waren beim AJZ, der Selbsthilfe 91 und der AGJF in Chemnitz engagiert. Was wissen Sie heute noch über die sozialen, kulturellen und sportlichen Strukturen in Chemnitz?
D.B.: Ich weiß, dass mehr als 60 freie Träger in Chemnitz eine engagierte Arbeit machen, von der Kinder- bis zur Seniorenbetreuung. Dabei gibt es ein gutes Mischungsverhältnis zwischen großen und kleinen Trägern. Chemnitz ist eine Stadt mit vielen älteren Bürgern, aber auch einem erfreulichen Babyboom und deshalb ist mit allen Mitteln zu unterstützen, dass sowohl junge als auch alte Menschen in Chemnitz eine lebenswerte Perspektive haben. Das Spektrum des Dezernats ist umfangreich: Schulverwaltungsamt, Stadtarchiv, Kunstsammlungen, Kulturbüro, Sozialamt, Amt für Jugend und Familie, Sport- und Gesundheitsamt gehören dazu. Ich habe mir das im Einzelnen angesehen und z.B. festgestellt, es gibt ein erstklassiges Theater und das Schauspielstudio muss unbedingt in Chemnitz bleiben. Für die Bürgerinnen und Bürger ist es nicht nachvollziehbar, warum es weggehen sollte. Sehr viel wird auch für die Kinder getan. Ich denke da nur an “CheMida”, was ich für ein hervorragendes Projekt mit überregionaler Bedeutung halte. Und Chemnitz hat ein sehr gutes Klinikum, das sich noch in kommunaler Hand befindet und dort unbedingt bleiben sollte.
M. Z.: Also alles in bester Ordnung in Chemnitz?
D. B.: Die andere Seite ist, dass Chemnitz sparen muss. Es gibt das Entwicklungs- und Konsolidierungskonzept (EKKo). Daran kommt auch ein linker Bürgermeister nicht vorbei. Dieser Grundsatzbeschluss ist gestaltend umzusetzen. Damit meine ich, nicht stur nach Gesetzeslage und Verwaltungsrichtlinien, sondern im konstruktiven Dialog zwischen Verwaltung und Akteuren. Es darf nicht geschehen, dass zum Beispiel die Interessen des Theaters gegen die der Kitas ausgespielt werden. Natürlich muss es Prioritäten geben, aber die müssen im gemeinsamen Dialog mit allen Beteiligten ausgelotet werden, damit die Entscheidungen letztlich für alle nachvollziehbar sind. Das ist eine große Herausforderung gerade für das Dezernat 5. Kreativität und mehr Handlungsspielraum sind dabei vonnöten. Schließlich dürfen wir uns nicht kaputt sparen. Das, was an Sozialem, Kulturellem, Sportlichen und an Soziokultur in Chemnitz existiert, sollte unbedingt erhalten und stabilisiert werden.
M. Z.: Große Ziele. Glauben Sie, all den vielfältigen Aufgaben und Anforderungen gerecht werden zu können?
D. B.: Ich glaube, dass ich nicht allen Anforderungen gerecht werden möchte. Mir ist bewusst, dass die Position viel Konfliktpotenzial enthält. Ich bin immer eher der Generalist gewesen, der sich in seiner Arbeit auf die Spezialisten stützt. Deswegen ist es wichtig, eine Führungsriege zu schmieden, die ganz eng beieinander steht. Jede Führungskraft muss auf der Grundlage von klaren Verabredungen eigenverantwortlich ihre Arbeit machen. Das braucht auch ein konstruktives Miteinander zwischen den Dezernaten und den demokratischen Parteien. Als Dezernent würde ich im parteiübergreifenden Dialog mit allen demokratischen Parteien handeln, um das Beste für die Chemnitzerinnen und Chemnitzer heurauszuholen. Des Weiteren würde ich die TU, die regionale Wirtschaft, aber auch landes-, bundes- und europaweite Akteure zur Gestaltung des Sozialen mit ins Boot holen. Gesunder Menschenverstand, Verwaltungswissen, Kreativität, Führungsstärke und natürlich auch Spaß gehören dazu, dieses Amt zu bekleiden.
M. Z.: Sie werben für neue Wege in der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und gesellschaftlichem Engagement. Welche stellen Sie sich vor?
D. B.: In Chemnitz gibt es gute Grundlagen, aber auch Dinge, die vielleicht besser gemacht werden können. Neue Wege sehe ich in kleinen Dingen. Ein Beispiel: Die Beantragung und Abrechnung von Fördermitteln im soziokulturellen Bereich erfordert oft einen so immensen bürokratischen Aufwand, dass viele kleine Träger kaum Kapazitäten haben, das zu leisten. Hier sollte sich die Verwaltung stärker als Dienstleister erweisen. Im Kern geht also es um etwas, was mit den Schlagworten Bürgernähe und Bürgerbeteiligung ganz gut charakterisiert werden kann.
M. Z.: Bei vielen Vereinen laufen in den nächsten Monaten die Kommunal Kombi-Stellen aus. Einige, wie das Ebersdorfer Schulmuseum und die Neue Sächsische Galerie, haben deshalb bereits drastische Einschnitte bei ihren Angeboten angekündigt. Eine Lösung wäre die Bürgerarbeit gewesen, aber die hat die Stadt regelrecht “verschlafen”. Welchen Ausweg aus dieser Misere könnten Sie sich vorstellen?
D. B.: Das ist ein Handlungsfeld, das in den nächsten Wochen und Monaten zu den kniffligsten gehört. Ich gehe erst einmal davon aus, dass sich Chemnitz etwas dabei gedacht hat, sich nicht in der Bürgerarbeit zu engagieren. Über die Frage, ob diese Gründe immer noch gültig sind, werde ich mir ein eigenes Bild machen. Ich weiß, dass sich das Jobcenter sehr bemüht, im Bereich öffentlich geförderter Arbeit etwas zu ermöglichen. Man muss auch schauen, was mit dem Programm “50 Plus” und dem neuen Bundesfreiwilligendienst zu gestalten ist. Sicher wird das Spuren hinterlassen. Alle Beteiligten müssen an einen Tisch und gemeinsam muss geschaut werden, was geht zur Stabilisierung von Sport-, Kultur- und Sozialeinrichtungen.
M. Z.: Wie wollen Sie als Parteiloser mit der Fraktion und dem Stadtverband der LINKEN, die Sie aufgestellt haben, zusammenarbeiten?
D. B.: Ich weiß, dass ich von der LINKEN unterstützt werde. Wenn ich gewählt werde, weiß ich auch, dass mich andere unterstützen, weil ich überzeugt habe. Ich will in einem intensiven Vertrauensbildungsprozess sowohl mit der LINKEN als auch mit anderen demokratischen Kräften zusammenarbeiten. Ich verstehe mich als parteiübergreifender Kandidat, der nur in vertrauensvoller, kommunikativer und konstruktiver Zusammenarbeit mit anderen die vielschichtigen Aufgaben des Ressorts stemmen kann.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Wahl.
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